Hospital Santa Teresa in Zacatecoluca, El Salvador
Seit 2003 fahre ich mit einer Gruppe US amerikanischer Chirurgen und Schwestern jährlich nach El Salvador, um dort Fußmissbildungen bei Kindern zu operieren.
2007 kamen wir das erste Mal in das „ Hospital Nacional Santa Teresa" in Zacatecoluca. Das ist die Hauptstadt der Provinz La Paz und hat etwa 35 000 Einwohner.
Dort war vieles anders, als wir es kannten. Das ( ursprünglich mit Unterstützung der GTZ im Jahre 1974 erbaute ) Krankenhaus war 2001 von einem schweren Erdbeben zerstört worden. Die Aufbauarbeiten verlaufen mehr als schleppend und das Haus kann bis heute nicht genutzt werden.
Alles besteht aus Baracken mit Blechwänden, lediglich das Gebäude mit den 4 winzigen Operationsräumen ist aus Stein . Die Patienten liegen dicht an dicht in diesen Räumen, etwa 40 Betten nebeneinander. Manchmal ist dort kaum ein Durchkommen und nicht selten liegen zwei Patienten in einem Bett ( das nennt man dort „adosado", die Patienten sind es gewohnt). Eine Klimaanlage gibt es nicht, es ist meist heiß und stickig und in den Wintermonaten herrscht eine Luftfeuchtigkeit von 90%.
Es fehlt an allem, besonders an medizinischer Ausrüstung. Mir wurde deutlich, dass es nicht reicht, einmal im Jahr dort 35 Kinder zu operieren und wieder wegzufahren. Ich dachte mir, dass man nachhaltiger tätig sein müsste. So gründete ich mit meiner Frau und einigen Freunden im Dezember 2007 einen Verein mit dem Ziel, sowohl die medizinische Ausrüstung des Krankenhauses als auch die Ausbildung der Ärzte zu verbessern.
Etwa 90% der Patienten dort sind nicht krankenversichert und der Staat hat kein Geld für das Krankenhaus. Es kommen viele Schwerverletzte und Kranke, besonders viele verletzte Kinder. Viele brauchen für ihre Knochenbrüche spezielle Schrauben, Platten oder Nägel. Die kosten Geld und die Patienten müssen sie selbst bezahlen. Wenn jemand kein Geld hat, dann stückelt man sich etwas zurecht. Ein gebrauchter Nagel wird wieder gerade gebogen oder auf die entsprechende Länge zurecht gesägt, man nimmt einige Drähte und improvisiert mit dem, was man hat. Eine Spezialschraube für eine Oberschenkelhalsfraktur kostet 400 USD. Dann legt manchmal die ganze Familie zusammen, man verkauft die Hühner und das Schwein, um dem Angehörigen eine solche Versorgung zu ermöglichen.
Mein und das Ziel unseres Vereins ist es, allen diesen armen Menschen eine einigermaßen ordentliche Grundversorgung zu sichern, ohne dass sie dafür bezahlen müssen. Die ärztliche Versorgung wird von den Assistenzärzten gemacht. Die ( niedergelassenen) Fachärzte wechseln sich ab und kommen jeweils 1-2 mal in der Woche, um die Patienten umsonst zu operieren.
Im Dezember 2009 waren meine Frau und ich erstmalig in Sachen unserer Organisation dort. Ich habe dort operiert ( z.B. mit dem Equipment für arthroskopische Kniegelenksoperationen, das wir vor Wochen aus meiner Praxis geschickt hatten), meine Frau hat den Ärzten und Schwestern in der Notfallambulanz geholfen und ihnen den Umgang mit den bequemen Gipsbinden aus Polyäthylen gezeigt. Besonders wichtig war für uns, uns über alles sehr genau zu informieren, was wirklich gebraucht wird, womit man dann auch umgehen kann und das auch entsprechend robust ist, das Klima und die nicht so perfekte Pflege zu überstehen.
Ziel ist es, nur Geräte, Instrumente und Implantate zu senden, die wirklich gebraucht werden.
So konnten wir feststellen, dass keine Schwester eine Verbandschere hat, es fehlt an Klemmen, kleinen Schalen für die Desinfektion, man hat nur eine Gipssäge usw. Gebohrt wir mit einer billigen Bohrmaschine aus dem Baumarkt. Argument: die Bohrmaschine kostet 50USD und lässt sich etwa 50 mal sterilisieren. Eine Bohrmaschine kostet 10 000 USD. Jetzt haben wir eine geschickt, zusammen mit einer Säge. Die Knochen und Gelenkchirurgie wird ohne Röntgenkontrolle durchgeführt. Das erfordert zwar großes handwerkliches Geschick, ist für uns jedoch undenkbar. Man besitzt zwei große Sterilisatoren deutscher Herkunft aus dem Jahre 1974. So scheitern manche Operationen an der nicht vorhandenen Sterilisationskapazität. Wir schicken jetzt einen Tischsterilisator, damit man kleine Instrumente schnell zwischendurch wieder steril bekommt. Diese Liste könnte man auf den nächsten zwei Seiten fortführen.
Neben unseren Ausrüstungsgegenständen haben wir es bisher 2 Assistenzärzten ermöglicht, zu uns zu kommen und sich hier fortzubilden. Die Flüge wurden vom Verein bezahlt, sie haben hier jeder 7 Wochen bei uns gewohnt und uns in unserer Praxis für Hand- und Fußchirurgie assistiert.
Medizinisches Gerät ist teuer. Wir brauchen also nicht nur Geld, wie von Frau Gisela Groenewold und ihrer Jan-Groenewold- Foundation (die uns eine sehr große Spende zukommen ließ), sondern sind auch auf Unterstützung in anderer Form angewiesen. So entwickelt sich langsam ein kleines Netzwerk von engagierten Menschen und Firmen, die uns mit Rat und Tat helfen, wo sie können.
Zuerst waren da Frau und Herr Petter von der Firma Rudolf Medical. Rudolf Medical gibt uns die Instrumente und Implantate zum Selbstkostenpreis, organisiert und bezahlt die Transporte nach drüben.
Über Herrn Petter stieß Herr Thilo Bausback zu uns. Er ist der Verwaltungsdirektor der Hessing Stiftung, die eine große, moderne Klinik in Augsburg betreibt. Von dort bekommen wir hervorragende Geräte, die dort nicht mehr verwendet werden. Darüber hinaus hat er Beziehungen zu großen Medizintechnik Firmen, die uns über ihn mehr als großzügige Rabatte einräumen.
Die Firma BSN liefert regelmäßig Plastikgipsbinden und Verbandmaterial, die Firma Darco spezielle postoperative Schuhe usw.
Es macht zwar immer mehr Arbeit, aber es lohnt sich, wovon wir uns überzeugen konnten. Und dieser persönliche Einsatz ermöglicht es dem Verein, bisher mit einem Kostenaufwand von weniger als 0,1 % auszukommen.
Wir werden in Zukunft auch unser Spendenaufkommen und unsere Ausgaben auf unserer Website www.hilf-santa-teresa.de veröffentlichen.
Vielen Dank allen Spendern und engagierten Helfern! |